verkehrs-geschichte

Seit vielen jahrzehnten zieht die kreuzung seestrasse / afrikanische strasse die aufmerksamkeit von verkehrsplaner·innen auf sich.

Die seestrasse, ursprünglich angelegt als verbindungsstrasse zwischen dem schloss charlottenburg und dem schloss schönhausen, war bereits seit dem 19. jahrhundert gegenstand von entwürfen für eine ringstrasse um berlin.

Nachdem der ausbau der afrikanischen strasse begonnen hatte, gab es in den 1920er Jahren studien, die ihre achse für den ausbau zu einer ausfallstrasse vorschlugen.

In der NS-zeit sahen planungen der verwaltung des generalinspektors für das strassenwesen, Fritz Todt, und später die planungen des generalbauinspektors für die reichshauptstadt, Albert Speer, vor, die kreuzung seestrasse / afrikanische strasse zu einem autobahnkreuz auszubauen. Die seestrasse wäre nach diesen planungen teil des 2. strassenrings (von geplanten 4 strassenringen) um das zentrum von berlin geworden.

Die planungen für den 2. strassenring wurden nach dem zweiten weltkrieg jahrzehntelang in mehrfach überarbeiteter form weiter betrieben und führten zum bau des berliner stadtrings (BAB 100).

Der flächennutzungsplan für west-berlin aus dem jahr 1965 sah schliesslich vor, die strassenkreuzung für ein autobahnkreuz mit kreisverkehr freizuhalten, um an dieser stelle die geplante westtangente (heute BAB 103, BAB 105) mit dem berliner stadtring zu verknüpfen.

Für eine vom tiergarten über die torfstrasse herangeführte westtangente wurde der U-bahnhof amrumer strasse bereits so ausgeführt, dass er von einer stadtautobahn an der oberfläche oder mit einem autobahntunnel überquert werden kann. Die westtangente sollte dann weiter über die amrumer strasse verlaufen und an das autobahnkreuz mit der seestrasse angeschlossen werden.

Für den kreisverkehr des autobahnkreuzes wären die blockecken an der kreuzung seestrasse / afrikanische strasse überbaut worden. Hier wäre also unter anderem ein teil der friedhöfe an der äusseren seestrasse verloren gegangen.

Vom autobahnkreuz mit der seestrasse sollte die westtangente weiter verlaufen über afrikanische strasse und windhuker strasse, um die tangente mit der anschlussstelle kurt-schumacher-platz (BAB 105 / kurt-schumacher-damm) zu verknüpfen.

Dass der bau der westtangente ohne drastische folgen für die wohnanlage an der afrikanischen strasse geblieben wäre, ist schwer vorstellbar. Bei einer üblichen breite der berliner stadtautobahn-schneisen von 28–32 meter hätten auf beiden seiten der afrikanischen strasse für die westtangente mehrere meter der grün- und sportflächen abgetrennt werden müssen.

Der weiterbau der westtangente wurde in den 1990er jahren aufgegeben. Der widerstand gegen das projekt hatte sich ab mitte der 1970er jahre in der bürgerinitiative westtangente organisiert.

mies van der rohe siedlung