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Namensänderung ab april 2024

Im april 2024 haben wir den namen des forschungsprojektes geändert in ›forschungsprojekt siedlung jungfernheide‹ und den bisherigen namen ›forschungsprojekt mies van der rohe siedlung berlin‹ abgelegt.

Diese gründe haben uns dazu bewogen:

1 — Am schwersten wiegen die vielfachen verstrickungen des architekten Ludwig Mies in koloniale, nationalsozialistische und rassistische kontexte.

Jüngste forschungsergebnisse zeigen, dass Mies nicht nur bis zu seiner emigration ende 1938 mit dem naziregime verstrickt war, sondern über die emigration hinaus bis zur befreiung im mai 1945.

Wenig beachtet wird in der deutschsprachigen debatte Mies‘ beteiligung an rassistischen stadtplanungen, die das erklärte ziel hatten, nachbarschaften von people of color zu vertreiben.

2 — Durch die änderung können wir auf die verwendung des irreführenden namenszusatzes ›van der Rohe‹ verzichten, den Ludwig Mies in der ersten hälfte der 1920er jahre aus werblichen gründen sich beilegte.

Obwohl Mies bekanntermassen nicht adlig war, verfehlt sein erfundenes adelsprädikat bis heute seine soziale wirkung nicht. Damit steht es einer realistischen vermittlung der rolle Ludwig Mies‘ im weg.

3 — Uns ist wichtig, das forschungsprojekt von anderen einrichtungen mit ähnlichem namen abzusetzen, die seit jahrzehnten im interesse der tourismusförderung und des sozialen prestiges die historisch-kritische vermittlung der rolle Ludwig Mies‘ und seiner verstrickungen mit kolonialen, nationalsozialistischen und rassistischen kontexten unterlassen und die im ergebnis die von ihnen genutzten baudenkmale als ›ludwig-mies-weihestätten‹ darbieten.

Diese praxis der denkmalvermittlung hat ausgespielt, weil sie eine kultur der empathielosigkeit zu behaupten versucht gegenüber denjenigen, auf deren kosten Ludwig Mies karriere gemacht hat, und weil sie um jahrzehnte hinter dem stand der forschung zurück liegt.

4 — Wir wollen mit der namensänderung besser berücksichtigen, dass wir über die gestaltung der wohnanlage an der afrikanischen strasse hinaus auch das städtebauliche, naturräumliche und gesellschaftliche umfeld darstellen.

Die wohnanlage an der afrikanischen strasse von Ludwig Mies war von anfang als ergänzung der siedlung jungfernheide von Hermann Dernburg geplant, unter den veränderten vorzeichen der seinerzeit neuen planungen zur anlage und zur entwicklung des volksparks jungfernheide.


Die von uns bisher verwendeten web-adressen (›URIs‹) bleiben nach der namensänderung gültig und werden beim aufruf automatisch auf die entsprechenden neuen seiten weitergeleitet. Die technische umstellung wird einige tage dauern.

Mitte der 1920er jahre entwarf der archi­tekt Ludwig Mies van der Rohe die wohn­anlage an der afri­kani­schen stras­se für einen stand­ort im dama­ligen ver­wal­tungs­bezirk wedding von berlin.

Die wohnanlage ist Mies‘ grösster kommunaler wohnbau aus der zeit vor seiner emigration in die USA im Jahr 1938. Er umfasst mehr als dreieinhalb mal so viele wohnungen wie der von ihm kurz darauf entworfene wohnblock in der stuttgarter weissenhofsiedlung.

Viele wichtige Fragen zu den umständen der entstehung der wohnanlage an der afrikanischen strasse sind seit jahrzehnten ungeklärt, weil die quellenlage dürftig ist.

In einem neuen ansatz erforschen, dokumentieren und vermitteln wir die geschichte der wohnanlage an der afrikanischen strasse im zusammenhang mit der zwischen goethepark und afrikanischer strasse gelegenen siedlung jungfernheide. Dabei erschliessen wir mit hilfe statistischer verfahren ein breites feld vieler kleinteiliger quellen zu siedlung und wohnanlage.

siedlung jungfernheide und wohnanlage an der afrikanischen strasse

Die häuser der wohnanlage an der afrikanischen strasse waren zwar nicht die ersten bauten an der afrikanischen strasse, sie sind jedoch die ersten bauten, die hausnummern in der afrikanischen strasse erhielten (Bauzeit 1925–1927).

Die wohnanlage ergänzt die blockränder der benachbarten siedlung jungfernheide, bestehend aus den siedlungshäusern an senegalstrasse, tangastrasse, ugandastrasse, dualastrasse, sambesistrasse und den häusern des nummernbereichs 27 der transvaalstrasse (bauphase 1: entwurf Hermann Dernburg, bauzeit 1920–1922; bauphase 2: bauzeit 1924–1926).

Die wohnanlage an der afrikanischen strasse wurde unmittelbar auf der früheren gemeindegrenze zwischen der stadtgemeinde berlin und der landgemeinde tegel errichtet. Sie verlief an dieser stelle nicht bis zur bildung von gross-berlin im jahr 1920, sondern bis 1915.

Die gemeindegrenze folgte dem verlauf des östlich der grenze fliessenden langen fenns (mehr dazu unter dem thema landschafts-geschichte). Die westlich der gemeindegrenze gelegene siedlung jungfernheide steht deshalb vollständig auf dem früheren gebiet der landgemeinde tegel.

Der ausschnitt aus einem luftbild vom 11. oktober 1959, 11:39:45 uhr, zeigt in der mit­te die wohnanlage an der afri­kanischen strasse (ent­wurf Lud­wig Mies van der Ro­he, bauzeit 1925–1927) und west­lich davon den aus­ge­führ­ten teil der sied­lung jung­fern­hei­de (bau­pha­se 1: entwurf Her­mann Dernburg, bauzeit 1920–1922; bau­pha­se 2: bau­zeit 1924–1926). Den bildflug führte das unternehmen aero exploration gmbh aus frankfurt am main durch. Dabei wurde eine reihen­mess­ka­me­ra des typs zeiss aerotopograph RMK 21/18 eingesetzt. Quelle: Geoportal Berlin, Luftbilder 1959, Masstab 1:10.000, Nr. 235. Datenlizenz: dl-de/by-2-0. Volltext: www.govdata.de/dl-de/by-2-0. Wir haben das originalfoto projektiv entzerrt.
Der ausschnitt aus einem luftbild vom 11. oktober 1959, 11:39:45 uhr, zeigt in der mit­te die wohnanlage an der afri­kanischen strasse und west­lich davon den aus­ge­führ­ten teil der sied­lung jung­fern­hei­de. Quelle: Geoportal Berlin, Luftbilder 1959, Masstab 1:10.000, Nr. 235. Datenlizenz: dl-de/by-2-0. Wir haben das originalfoto projektiv entzerrt.

eine geschichte mit unerwarteten einsichten

Sowohl bei der siedlung jungfernheide als auch bei der wohnanlage an der afrikanischen strasse handelt es sich wegen ihrer ursprünglich kommunalen trägerschaft und ihrer lage in einem kolonialviertel um politische bauprojekte.

Die erforschung ihrer geschichte braucht deshalb andere perspektiven als die erforschung der geschichte der häuser für private auftraggeber·innen, die mit abstand den grössten teil des gebauten werkes von Ludwig Mies vor seiner emigration ausmachen.

Einer der offensichtlichsten unterschiede im vergleich zu den von Mies entworfenen eigentumhäusern ist, dass die bewohner·innen der kommunalen bauten mit den architekt·innen weder vor noch nach deren fertigstellung persönlich bekannt sind.

Mit blick auf ihren politischen charakter ist die wohnanlage eher mit anderen politischen bauprojekten des architekten für die öffentliche hand vergleichbar, beispielhalber seinen wettbewerbsbeiträgen

Im unterschied zu den entwürfen für diese politischen bauprojekte wurde die wohnanlage an der afrikanischen strasse jedoch tatsächlich auch gebaut.

Für unsere forschung zu siedlung und wohnanlage hat die rekonstruktion des landschaftsbildes zur bauzeit einen hohen stellenwert — sowohl wegen der schlechten quellenlage zur wohnanlage an der afrikanischen strasse als auch wegen der nutzung einer dünenlandschaft für den bau eines kolonialviertels: Welche landschaft sahen die architekt·innen, als sie das künftige baufeld besuchten?

lageplan

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siedlung jungfernheide